Johann Wilhelm Wölfel (30. März 1902 – 3. Juli 1944), Rechtsanwalt.
Vorsitzender des Ortskartells der katholischen Vereine Bambergs. Mitglied der Bayerischen Volkspartei.
Nach dem 31. Januar 1933 Verteidiger Bamberger Bürger vor dem Sondergericht.
1943 angeklagt wegen Wehrkraftzersetzung und vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt.
Hingerichtet am 3. Juli 1944 in Görden a. d. Havel.

 
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Gedenken
an Hans Wölfel zu seinem 68. Todestag
am 03. Juli 2012

Rede
Werner Zeißner, Vorsitzender der Kaiser-Heinrich-Gilde Bamberg

Rede
Dr. Helmut Müller, Vorsitzender der
CSU-Fraktion im Bamberger Stadtrat,
in Vertretung des Oberbürgermeisters

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Artikel im FT vom 05. Juli 2012

Jahresgedächtnis: Am 3. Juli 1944 wurde der Bamberger Rechtsanwalt und katholische Laienführer Hans Wölfel hingerichtet. Die Gedenkfeier an seinem Ehrengrab auf dem Hauptfriedhof war auch eine Mahnung gegen Rechtsextremismus.

von Marion Krüger-Hundrup

Bamberg -  Vorsichtig holte Ernst Greif das schon vergilbte Foto aus der Brusttasche. Die Aufnahme stammt vom 4. November 1933. Sie zeigt Hans Wölfel mit Töchterchen Irmingard auf dem Arm sowie die Großeltern und Eltern von Ernst Greif. Er selber ist als kleiner Bub darauf zu sehen. Doch der heute 80-Jährige erinnert sich gut an die „Tragödie von Gaiganz“ im Jahr 1933: „Mein Großvater Johann hat mir immer wieder davon erzählt“, von der Eifersuchtstat eines Gaiganzers gegen einen SA-Mann, die die Nationalsozialisten zu einem Politikum aufblähten und das ganze Dorf in einen Belagerungszustand versetzten. Der Bamberger Rechtsanwalt Hans Wölfel schaffte es, die neunzehn verhafteten Gaiganzer Männer wieder frei zu bekommen. Darunter eben den Großvater und Vater von Ernst Greif.

„Das vergesse ich nicht“, sagte der alte Herr. Darum sei es ihm wichtig, an dieser Gedenkfeier für Hans Wölfel an seinem Ehrengrab auf dem Bamberger Hauptfriedhof teilzunehmen. Auch der 2. Bürgermeister von Effeltrich mit dem Ortsteil Gaiganz, Bernd Nägel, war gekommen, um Wölfel die Ehre zu erweisen: „Er hat bei uns viel bewirkt“, erklärte Nägel.

Der „Förderkreis zur Pflege des Erinnerns an Hans Wölfel e.V.“ hatte am 68. Todestag des Rechtsanwalts zu dieser Feierstunde eingeladen. Am 3. Juli 1944 wurde er im Gefängnis von Brandenburg-Görden hingerichtet, nachdem er am 10. Mai 1944 vom Volksgerichthof wegen „Wehrkraftzersetzung“ zum Tod verurteilt worden war. Die Stadt Bamberg widmete ihm 1947 ein Ehrengrab. Förderkreis-Vorsitzender Domkapitular Gerhard Förch sprach davon, dass Wölfels Leben und Tod eine „stete Mahnung“ seien, im Kampf gegen Rechtsextremismus nicht nachzulassen. „Wir brauchen solche Menschen wie Hans Wölfel auch heute“, betonte Förch.

Werner Zeißner, Vorsitzender der Kaiser-Heinrich-Gilde Bamberg, oblag es, ein Lebensbild des von den Nazis Ermordeten zu zeichnen. Schon zu Beginn seines Jurastudiums 1922 sei Wölfel bei seinen Kommilitonen durch eine fundierte politische und religiöse Einstellung aufgefallen: „Auf dieser Grundlage war er in der Lage, sich dem Zeitgeist zu widersetzen und Verantwortung zu übernehmen“, erklärte Zeißner. Wölfel habe sich führend an der Gründung eines Katholischen Akademiker-Bundes beteiligt und sei 1928 der Bayerischen Volkspartei beigetreten. Auf zahllosen Veranstaltungen der Partei und der Jugendseelsorge habe Wölfel versucht, seine Zuhörerschaft von der Unvereinbarkeit von NS-Ideologie und katholischer Glaubens- und Sittenlehre zu überzeugen. Er sei sogar bei Versammlungen der Nationalsozialisten als Diskussionsredner aufgetreten, so dass „der Hass der Nazis gegen Hans Wölfel ins Ungeheure wuchs“, so Zeißner.

In den meisten katholischen Landgemeinden im Bezirk Bamberg sei Wölfels Kampf gegen den Nationalsozialismus „sehr erfolgreich“ gewesen, wie etwa das Ergebnis der Reichstagswahlen 1932 dort zeigten. Es habe sogar noch vier Gemeinden gegeben, in denen die NSDAP keine einzige Stimme erhalten habe: in Ehrl und Dörrnwasserlos bei Scheßlitz sowie Tiefenhöchstadt bei Buttenheim und Treppendorf bei Burgebrach. Anders habe es dagegen in der Bischofsstadt Bamberg ausgesehen, wie der Redner erklärte. Hier seien die Nazis mit einem Stimmenanteil von 40,2 Prozent gegenüber 34,6 Prozent der Bayerischen Volkspartei stärkste politische Kraft geworden: „Nicht weniger als 12 128 Bamberger sind den brauen Rattenfängern auf den Leim gegangen“. Für Hans Wölfel dürfte das Wahlergebnis des 31. Juli 1932 „ein zutiefst deprimierendes Erlebnis gewesen sein“, meinte Zeißner.

Es sei in der Gegenwart Pflicht, die Erinnerung an diejenigen wach zu halten, die rechtzeitig vor dem durch die Nationalsozialisten drohenden Unheil gewarnt haben. Gemäß dem Vorbild von Hans Wölfel sollten die demokratischen Parteien unterscheiden zwischen dem Kampf gegen die Feinde der Demokratie und der politischen Auseinandersetzung mit Gegnern aus dem demokratischen Lager. „Hans Wölfel fühlte sich fest in der Mitte des politischen und kirchlichen Spektrums verankert“, und habe als überzeugter katholischer Christ durchaus mit dem liberalen Freimaurer Thomas Dehler kooperieren können.

Für die Zukunft sei es von zentraler Bedeutung, so Zeißner, dass die Jugend „über eine solide staatsbürgerliche Bildung verfügt“. Im Sinne Hans Wölfels sei es, neben dem unbedingt notwendigen Kampf gegen den Rechtsextremismus mit gleicher Energie für eine aktive Beteiligung der Jugend an der Weiterentwicklung einer demokratischen Zivilgesellschaft zu werben.

CSU-Fraktionsvorsitzender Helmut Müller sprach in Vertretung des Oberbürgermeisters. Er nannte Hans Wölfel eine Persönlichkeit, „die uns auch heute noch ein leuchtendes Vorbild ist“. Dass der Name Bambergs mit Persönlichkeiten wie Wölfel oder auch Stauffenberg verbunden sei; „ist für uns nicht nur eine Ehre, sondern auch eine Verpflichtung, das Gedenken an sie wach zu halten“, sagte Müller. Das Leben und mehr noch der Tod Hans Wölfels mahnten, dass „Demokratie und Menschenrechte, Gerechtigkeit und Solidarität keine Selbstverständlichkeit sind“.
Domkapitular Förch sprach ein Gebet und segnete das Grab Wölfels. Der Tenor Michael Panzer gestaltete mit stimmungsvollen Kirchenliedern die Gedenkstunde musikalisch.


 
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